Pacu Jawi oder: Erntedank auf Sumatra
Dass man zum Surfen keine klaren Meeresfluten und haushohe Wogen benötigt, läßt sich beim Pacu Jawi oder „Bull Race“ in West-Sumatra/ Indonesien beobachten. Dort versammeln sich Dorfbewohner vom Volk der Minangkabau nach der Reisernte, um bei dem traditionellen Sport-Spektakel den besten Schlammsurfer zu küren. Dazu wird ein abgeerntetes Reisfeld präpariert und geflutet. Dieses bildet dann eine etwa 150m lange schlammige Piste, auf der Wagemutige mit ihren Gespannen versuchen, das andere Ende zu erreichen – und zwar stehend auf zwei Pflugbügeln, die jeweils an einem Stier angelegt sind.
Die Schwierigkeiten beginnen schon damit, die Bügel an den Tieren anzubringen und sie beisammen zu halten. Es bedarf einer ganzen Crew, um das Gespann an den Start zu bringen. Der Jockey steht dann im besten Fall mit den Füßen auf den Bügeln, hält sich an den Schwänzen der Tiere fest und animiert diese mit rauen Rufen, über das Feld zu jagen. Dabei soll manchmal auch ein beherzter Biss in den Schwanz den Tieren auf die Sprünge helfen. Die nachfolgende wilde Hatz führt oft zum Auseinanderdriften des Gespannes und damit zum unweigerlichen Sturz des Jockeys ins schlammige Feld. Viele Versuche enden im Matsch und bald unterscheiden sich die Protagonisten von den vielen Zuschauern durch eine dicke Schlammkruste – sowie durch einen eisern entschlossenen Blick.
Das Bullrace ist also nur etwas für Wagemutige, die dafür nicht nur Ansehen erlangen können, sondern auch ein stattliches Preisgeld. Nebenbei läßt sich so die Qualität der heimischen Bullenzucht eindrucksvoll demonstrieren. Erlaubt sind soviele Durchgänge wie man sich, den Tieren und dem Material zutraut. Nach unzähligen Runden ermittelt eine Jury schließlich einen Gewinner nach Punkten. Ringsherum herrscht Volksfeststimmung, es gibt jede Menge Imbisse, Familien picknicken, die Leute plaudern und Sängerinnen geben zum Klang von Flöte und Trommeln stundenlang ihre Strophen zum Besten.
David Pinzer (geb. 1980) lebt in Dresden. Seine fotografischen Interessen wurden durch verschiedene Reisen, vor allem nach Asien, geweckt. Er ist seit 2011 als freier Fotograf sowohl im kommerziellen als auch im redaktionellen Bereich tätig.Fotografie ist für ihn ein geeignetes Medium, um der Vielfalt der Welt durch verschiedene Perspektiven thematisch und stilistisch zu begegnen.
In seiner Arbeit richtet er den Fokus neben der Reise- und Reportagefotografie auf die Bereiche People- und Porträtfotografie.